„Kultur macht stark“ geht weiter – auch für Geflüchtete!

Stefan Müller im Gespräch

Bundesministerin Johanna Wanka kündigte auf der bundesweiten Tagung des Programmes „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ am 6. April 2016 an, zusätzlich bis zum Jahr 2017 ca. fünf Millionen Euro für junge erwachsene Geflüchtete bis 26 Jahre bereitzustellen. Der Parlamentarische Staatssekretär zu Kultur und Flüchtlingen Stefan Müller, MdB, steht zu dieser Programmausweitung Rede und Antwort.

 

Theresa Brüheim: Aus welchen Gründen hat das Bundesministerium für Bildung  und Forschung (BMBF) diese Aufstockung von fünf Millionen Euro für kulturelle Bildungsprojekte für junge Geflüchtete im Rahmen von „Kultur macht stark“ beschlossen?

 

Stefan Müller: Wir wollen junge Erwachsene zwischen 18 und 26 Jahren, die aus ihren Heimatländern geflohen sind, bei ihren ersten Schritten in die bundesdeutsche Gesellschaft unterstützen. Diese jungen Menschen haben oft wenige Beschäftigungsmöglichkeiten. Sie sind nicht mehr schulpflichtig. Wenn ihre Asylverfahren noch in der Bearbeitung sind, gibt es für sie wenig Möglichkeiten, das Land, seine Kultur und Sprache kennenzulernen. Hier wollen wir Abhilfe schaffen. Deshalb haben wir das Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ für die jungen Erwachsenen geöffnet und fördern bis Ende 2017 mit bis zu fünf Millionen Euro im Jahr Bündnisse für Bildung. Acht Programmpartner in „Kultur macht stark“ erhalten dafür zusätzliche Fördermittel, darunter sind der Deutsche Volkshochschulverband und das Paritätische Bildungswerk. Lokale Einrichtungen können ihre Förderanträge – wie schon in „Kultur macht stark“ eingespielt – bei den Programmpartnern einreichen. Alle erforderlichen Informationen über die jeweiligen Konzepte, die geförderten Bereiche der kulturellen Bildung, die Formate und Fördersummen können unter www.buendnisse-fuer-bildung.de abgerufen werden.

 

Wird die geplante Ausweitung auf kulturelle Bildungsprojekte für junge erwachsene Geflüchtete im Rahmen von „Kultur macht stark“ einmalig sein? Bestehen weitere Pläne für zukünftige Erneuerung oder Vertiefung? Wie könnte sich eine nachhaltige Struktur zur Förderung der kulturellen Bildung von jungen erwachsenen Geflüchteten gestalten?

 

Die Ausweitung der Förderung bezieht sich zunächst auf die Jahre 2016 und 2017. Die vom BMBF geförderten 32 Programmpartner haben durch „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ vielfältige Erfahrungen in der Förderung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre sammeln können. Ob sich diese Erfahrungen und auch unsere Förderkonstruktion ohne Weiteres auf die Zielgruppe der jungen erwachsenen Geflüchteten bis 26 Jahre übertragen lassen, müssen wir jetzt erst einmal sehen. Die Förderung beginnt jetzt, wir werden die Erfahrungen der Programmpartner mit dieser Altersgruppe abwarten und dann entscheiden. Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt uns dabei naturgemäß sehr. Vor allem weil die Projektförderung, in der wir uns hier bewegen, immer zeitlich begrenzt ist. Zum heutigen Zeitpunkt lässt sich aber noch keine belastbare Antwort darauf geben. Es ist ja noch völlig offen, wie sich die Zahl der Flüchtlinge entwickeln wird.

 

Welche Erwartung hat das BMBF an die geplante Aufstockung der Mittel für junge erwachsene Geflüchtete im Rahmen von „Kultur macht stark“?

 

Die Teilnahme an Maßnahmen der kulturellen Bildung bietet aus meiner Sicht gute Möglichkeiten, die Kultur unseres Landes kennenzulernen, Zugang zur deutschen Sprache zu finden und sich mit anderen bei gemeinsamen kulturellen Erlebnissen auszutauschen. Gleichzeitig bieten die Maßnahmen auch Möglichkeiten, sich beispielsweise mit der eigenen Fluchtgeschichte auseinanderzusetzen und so die Erlebnisse leichter zu verarbeiten. Durch den Umgang mit deutschsprachigen anderen Menschen, Betreuern und Fachkräften werden das Deutschlernen und das „Ankommen“ erleichtert. Uns geht es darum, junge erwachsene Geflüchtete bei ihren ersten Schritten in unsere Gesellschaft zu begleiten, sie bei ihrer Integration zu unterstützen.

 

Der Text ist zuerst in Kultur bildet. Nr. 9 erschienen.

Stefan Müller
Stefan Müller, MdB ist Parlamentarischer Staatssekretär zu Kultur und Flüchtlingen bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung