Keine Einbahnstraße

Integration in Städten und Gemeinden

Unsere Gesellschaft ist seit jeher geprägt von einer großen Vielfalt der Kulturen, Milieus, Wertvorstellungen, Ressourcen, Herkunftsnationen und Glaubensrichtungen. Kulturelle Vielfalt ist ein Merkmal der modernen Stadtgesellschaft.

Neu ist allerdings, dass in den letzten beiden Jahren rund 1,2 Millionen Geflüchtete nach Deutschland gekommen sind. Die große Zahl der Schutzsuchenden stellte die Städte und Gemeinden vor enorme Herausforderungen. Es galt zunächst, die Menschen unterzubringen und zu versorgen. Dies ist den Städten und Gemeinden nicht zuletzt aufgrund der enormen Unterstützung der Bürger, der Vereine, Kirchengemeinden und verschiedenster bürgerschaftlicher Initiativen gelungen.

Jetzt stehen wir vor der Herausforderung, diese neu zu uns gekommenen Menschen nicht nur notdürftig zu versorgen, sondern diejenigen, die eine Bleibeperspektive in der Bundesrepublik haben, in unsere Gesellschaft zu integrieren.

 

Integration als kommunales Dauerthema

 

In den Städten und Gemeinden lebt seit vielen Jahren ein breites Spektrum unterschiedlicher Zuwanderer. Neben den Menschen, die in den letzten Jahren vor Krieg und Verfolgung flüchteten, sind es EU-Bürger, nachziehende Familienangehörige oder Spätaussiedler. Sie alle kommen mit immer mehr unterschiedlichen kulturellen und religiösen Identitäten. Für das Zusammenleben in den Städten und Gemeinden ist die Integration damit die entscheidende Aufgabe. Sie ist nicht neu, die aktuelle Situation stellt sie aber vor neue Herausforderungen.

Integration im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts bedeutet nämlich nicht nur, ein Gegeneinander der Kulturen zu verhindern oder ein Nebeneinander zu tolerieren, sondern es geht um ein Miteinander. Gesellschaftlicher Zusammenhalt in den Städten und Gemeinden heißt, ein friedliches Zusammenleben zu gestalten und Konflikten vorzubeugen.

 

Voraussetzungen erfolgreicher Integration

 

Die deutsche Sprache zu beherrschen, eine Wohnung und Arbeit zu finden, sich rechtstreu zu verhalten sind wichtige Kriterien, doch sie allein machen nicht eine gelingende Integration aus. Vielmehr müssen sich die Menschen dem Land, in dem sie leben, zugehörig fühlen. Sie müssen unsere freiheitliche demokratische Grundordnung anerkennen und die Werte, für die dieses Land steht, leben wollen. Sie sollen sich für diese Gesellschaft selbst verantwortlich fühlen und lebendiger Teil der Gesellschaft sein. Hierfür ist das Wissen über die Werte des Grundgesetzes wichtig, ebenso wichtig wie der regelmäßige Kontakt zu Einheimischen und die Auseinandersetzung mit der eigenen Weltanschauung und den eigenen Werten.

Dabei steht auch immer die Frage im Raum, wie wir in der deutschen Gesellschaft zusammenleben wollen. Gesellschaftlicher Zusammenhalt hat viel mit Zugehörigkeit zu tun. Auf der einen Seite verlangt unsere Zivilgesellschaft von den Zuwanderern zu Recht erhebliche Eigenanstrengungen, etwa den Erwerb der deutschen Sprache und die Anerkennung der Rechts- und Werteordnung. Wir müssen deutlich machen, welche sozialen Verhaltensweisen erwartet werden und wir müssen die zu uns Gekommenen konkret mit der gelebten Gleichberechtigung von Mann und Frau, der Achtung der Menschenwürde, der Meinungs- und Religionsfreiheit konfrontieren und die Beachtung dieser Grundwerte einfordern.

Wichtig ist dabei der kulturelle Kompetenzerwerb, also die Teilhabe am kulturellen Leben in der Gesellschaft. Zusammenleben vor Ort gelingt, wenn sich alle Bürger auf gemeinsame kulturelle Werte und Maßstäbe verständigen. Wertevermittlung gelingt nicht allein durch Kurse, sondern wir müssen sie vorleben. Mit Blick auf den kulturellen Kompetenzerwerb müssen wir auch die Teilhabe an Kultur und Bildung ermöglichen. Den Kulturinstitutionen kommt hierbei eine besondere Bedeutung und Verantwortung zu.

Auf der anderen Seite muss allerdings in der eigenen Bevölkerung auch die Bereitschaft bestehen, die Zuwanderer als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft anzuerkennen und mit Respekt zu begegnen. Denn nur wer sich anerkannt fühlt, fühlt sich letztlich auch zugehörig. Integration ist keine Einbahnstraße: Damit sie gelingt, müssen alle Seiten aktiv dazu beitragen.

 

Fazit

 

Die Städte und Gemeinden Deutschlands haben in den letzten Jahren bereits eine Fülle an Maßnahmen im Sinne des interkulturellen Dialogs und der Vermittlung kultureller Werte eingeleitet. Dies gibt Anlass, zuversichtlich zu sein, was die Stärkung und Festigung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes in unseren Kommunen angeht.

Das Zusammenleben in Vielfalt ist ein langwieriger und aufreibender Prozess. Dies erfahren wir immer wieder. Wie in jeder partnerschaftlichen Beziehung müssen wir auch hier manchmal Konfrontationen aushalten. Diskussionen gehören dazu. Diese müssen aber in gegenseitigem Respekt und unter Anerkennung des Gegenübers geführt werden.

Roland Schäfer
Roland Schäfer ist Bürgermeister der Stadt Bergkamen und Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes