Jeden Tag aufs Neue

Kulturelle und gesellschaftliche Integration als Aufgabe der privaten audiovisuellen Medienunternehmen

Populismus, Ignoranz und auch Desinformation durch gefakte News auf Social-Media-Kanälen machen das Thema „Kulturelle Inte­gration“ heute gesellschaftlich wichtiger und anspruchsvoller denn je. Vieles, was uns lange selbstverständlich erschien, wird heute angegriffen und in-
frage gestellt. Es steht nicht weniger als der Grundkonsens einer freiheitlichen Gesellschaft und gelebter Werte wie der Menschenwürde und eines toleranten Miteinanders von Bürgern und Menschen, die in unserem Land leben, auf dem Spiel.

 

In Anbetracht dieser Entwicklungen sehen wir Vertreter von privatem Rundfunk und elektronischen Medien uns in einer besonderen Verantwortung, durch Information und gelebte Integration einen Beitrag dafür zu leisten, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Mit unseren vielfältigen Unterhaltungs- und Informationsangeboten erreichen gerade die privaten Anbieter im Gegensatz zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk jüngere Bevölkerungskreise. In diesen Zielgruppen tragen wir aktiv mit unseren redaktionellen Mitarbeitern zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei und sorgen für die Integration unterschiedlicher Meinungen und Kulturen.

Doch was genau bedeutet gesellschaftliche Integration und wann ist sie gelungen? Gesellschaftliche und kulturelle Integration ist aus unserer Überzeugung dann gelebt, wenn die Vielfalt der Gesellschaft als selbstverständlich akzeptiert wird, sich jeder in ihr wiederfinden und mit ihren grundlegenden Werten identifizieren kann. Dieses Verständnis geht über die Vielfalt der Kulturen hinaus, es umfasst auch die Pluralität von Religionen, Weltanschauungen, Alter, Geschlechter, sexueller Orientierung, Barrierefreiheit usw. Der private Rundfunk steht in allen diesen Dimensionen für Vielfalt und Offenheit, Werte, die aus unserer Sicht unverzichtbar sind.

 

Im Jahr 2016 nutzte der deutsche Durchschnittsverbraucher täglich über zehn Stunden Medien. Radio und Fernsehen sind dabei die mit Abstand meistgenutzten Medienangebote und haben damit einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Das bedeutet für uns als Macher eine entsprechend hohe Verantwortung, aber auch Chance. Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT) und seine Mitgliedsunternehmen stehen deshalb in einem regelmäßigen Dialog mit zahlreichen Interessengruppen, politischen Vertretern und Institutionen, z. B. im Rahmen des Nationalen Integrationsgipfels der Bundesregierung, um sich auch der Frage ihrer Verantwortung und Rolle in dem wichtigen Thema Inte­gration zu stellen.

 

Neben der Vielfalt der Inhalte ist auch die Form der Darstellung von zentraler Bedeutung, um die Themen einer diversifizierten Gesellschaft Zuschauern, Hörern und Nutzern nahezubringen. Die Abbildung unterschiedlicher Kulturen und Bevölkerungsgruppen im Radio, in TV-Filmen und Serien oder in der Nachrichtenberichterstattung macht sie einem breiten Publikum in allen ihren Facetten zugänglich, kann hier entsprechende Akzeptanz und Verständnis schaffen und zum Diskurs über das gesellschaftliche Zusammenleben anregen.

 

Neben dem Fernsehen kommt dabei auch dem privaten Radio eine besondere Bedeutung zu, das in den lokalen und regionalen Räumen Identität stiftet und das als wichtigstes Informationsangebot und täglicher Begleiter der Menschen dort nicht mehr wegzudenken ist.

 

Einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration leisten die privaten Medien zudem auch mit dem stetigen Ausbau der barrierefreien Medienangebote, die Menschen mit zusätzlichen Hilfestellungen den Zugang zu unseren Angeboten ermöglichen, die wir sonst nicht erreichen würden.

Um Vielfalt zu fördern und zu leben, beteiligen wir uns über all dies hinaus an diversen Projekten und Initiativen. Viele VPRT-Mitglieder haben die „Charta der Vielfalt“, eine Unternehmensinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen, unterzeichnet. Wir repräsentieren Diversität nicht nur durch die Vielfalt der Protagonisten vor der Kamera oder am Mikrofon, wir legen auch bei der Auswahl der Mitarbeiter großen Wert auf Offenheit und Akzeptanz.

 

Unter dem Motto „Wir zusammen“ engagieren wir uns gemeinsam mit zahlreichen anderen namhaften deutschen Unternehmen für die Integration von Flüchtlingen. Die Aktion wurde von Ralph Dommermuth, Gründer und Vorstandsvorsitzender der United Internet AG, ins Leben gerufen und soll dazu beitragen, in Deutschland für ein Klima zu sorgen, welches von Toleranz und gegenseitigem Verständnis geprägt ist.

Der VPRT setzt sich kontinuierlich dafür ein, die wirtschaftlichen, ordnungspolitischen und technischen Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass ein vielfältiges privates Rundfunk- und Telemedienangebot in Deutschland als gesellschaftlich und kulturell elementarer Faktor besteht. Neben der Vielfalt von Anbietern und Inhalten gehört dazu auch die Verfügbarkeit unserer Angebote. Aus dieser Überzeugung heraus sprechen wir uns für eine liberale Medienordnung und die Entwicklung zukunftsfähiger Infrastrukturen aus, die es ermöglichen, Inhalte über sämtliche Kanäle diskriminierungsfrei und auffindbar abzurufen.

 

Es ist uns bewusst, dass gerade auch die privaten Medienangebote einen erheblichen Einfluss auf die Zuschauer und Zuhörer sowie unsere Gesellschaft haben. Dem VPRT und mir als seinem Vorsitzenden und Geschäftsführer eines reichweitenstarken Nachrichtensenders ist es ein großes Anliegen, das Thema der gesellschaftlichen Integration ins Bewusstsein zu rücken. Wir und die Mitarbeiter des privaten Rundfunks verstehen es als eine Verpflichtung, hierzu einen nachhaltigen Beitrag zu leisten und stellen uns diesem Anspruch jeden Tag aufs Neue.

Hans Demmel
Hans Demmel ist Vorstandsvorsitzender des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT).