5 Initiatoren + 23 Mitglieder = 15 Thesen

Die Initiative kulturelle Integration stellt Thesen zum Zusammenhalt in Vielfalt vor

Wenn politische Institutionen, Medien, Religionsgemeinschaften, Migrantenverbände, Kulturorganisationen, Arbeitgeber, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände, Beamtenvereinigungen, Sportorganisationen, Landkreise, Städte und Gemeinden zusammen an einen Tisch kommen, um was kann es dann wohl gehen? Richtig, nur um etwas ganz Großes – z. B. ein an Bedeutung so gewichtiges Themenfeld wie kulturelle Integration und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Gemeinsam mit dem Bundesministerium des Innern, dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie Der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration hat der Deutsche Kulturrat Ende des letzten Jahres 23 zivilgesellschaftliche Organisationen eingeladen, gemeinsam über Fragen wie „Was macht gesellschaftlichen Zusammenhalt aus?“ oder „Welche Anforderungen sehen wir für Begegnungen und das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Tradition?“ nachzudenken. Und sie sind ausnahmslos alle der Einladung gefolgt: ARD, Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände, Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Deutsche Bischofskonferenz, Deutscher Beamtenbund und Tarifunion, Deutscher Gewerkschaftsbund, Deutscher Journalisten-Verband, Deutscher Landkreistag, Deutscher Naturschutzring, Deutscher Olympischer Sportbund, Deutscher Städte- und Gemeindebund, Deutscher Städtetag, Evangelische Kirche in Deutschland, Forum der Migrantinnen und Migranten im Paritätischen, Koordinationsrat der Muslime, Kultusministerkonferenz, Neue Deutsche Organisationen, Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, Verband Privater Rundfunk und Telemedien, ZDF und Zentralrat der Juden in Deutschland.

 

Was danach folgte, waren vier Arbeitstreffen der 28 Organisationen in sechs Monaten, an deren Ende 15 Thesen zu kultureller Integration und Zusammenhalt stehen. 15 Thesen, die sich gewichtigen Themen widmen wie: Zusammenleben auf Basis des Grundgesetzes und kultureller Gepflogenheiten, Geschlechtergerechtigkeit, Religion im öffentlichen Raum, Kunstfreiheit, demokratische Debatten- und Streitkultur, Einwanderungsland Deutschland, Toleranz und Respekt, bürgerschaftliches Engagement, Bildung, deutsche Sprache, Auseinandersetzung mit Geschichte, Erwerbsarbeit als Grundlage für Teilhabe, Identifikation und sozialer Zusammenhalt, kulturelle Vielfalt.

 

Am 16. Mai stellte die Initiative kulturelle Integration ihre Arbeitsergebnisse in Thesenform einer breiten Öffentlichkeit aus Politikern, Medienvertretern und zahlreichen anderen Gästen vor – vor Ort im Berliner Max Liebermann-Haus und im virtuellen Überall durch die Begleitung per Livestream. Der Videomitschnitt der Veranstaltung findet sich unter www.kulturelle-integration.de zum Nachsehen und -hören.

 

Dem einen scharfen Kritiker oder der anderen argwöhnischen Denkerin mögen die Thesen vielleicht nicht tiefgreifend, nicht kritisch, nicht pointiert genug erscheinen; sie werden fordern, dass die Ergebnisse weitgehender, kritischer, politisch einschlägiger hätten ausfallen sollen. Doch wie kann das Ergebnis aussehen, wenn sich 28 Organisationen, die unterschiedlicher nicht sein könnten und in dieser Unterschiedlichkeit die Breite der Zivilgesellschaft in Deutschland hervorragend abdecken, zusammenfinden, um über kulturelle Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt gemeinsam nachzudenken, zu debattieren, zu streiten? Stehen die Diskussionen um Inhalte und das Ringen um Formulierungen beim Erstellen der 15 Thesen, die sicherlich mehr als der kleinste gemeinsame Nenner sind, nicht exem­plarisch für das alltägliche Aushandeln des gesellschaftlichen Miteinanders in Deutschland? Besteht nicht ein Hauptgewinn der Initiative kulturelle Integration eben darin, dass sich ein so breites Bündnis erstmalig zum sozialen Zusammenhalt äußert?

 

Gerade deshalb sind die 15 Thesen zu kultureller Integration und Zusammenhalt ein Anfang, den es mit Leben in Form von Begegnungen, Gesprächen, Diskussionen und Streit zu füllen geht. Sie sind ein lebender Leitfaden, der weiterentwickelt werden kann und muss.

 

Aus genau diesem Grund besteht auch die Möglichkeit, die Thesen durch das eigene Mitzeichnen – als Organisation oder Privatperson – mitzutragen, zu unterstützen und zum Leben zu erwecken. Bei Redaktionsschluss dieser Zeitung waren es bereits mehr als 430 Mitzeichner unter anderem Verbände wie die Bundesvereinigung kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ), die Deutsche Literaturkonferenz, der Deutsche Volkshochschul-Verband und der Deutsche Bühnenverein. Tendenz steigend! Zum Mitzeichnen bitte hier entlang: www.kulturelle-integration.de/thesen/.

 

Und aus dem gleichen Grund werden voraussichtlich ab September 2017 Fokusveranstaltungen zu Schwerpunkten wie Religion im öffentlichen Raum, Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements oder Teilhabe und Integration durch Arbeit im gesamten Bundesgebiet unter Federführung der Initiative kulturelle Integration stattfinden. Denn die Debatte um unsere Zukunft als vielfältige Gesellschaft voller Zusammenhalt hat gerade erst begonnen.

Theresa Brüheim
Theresa Brüheim ist Chefin vom Dienst von Politik & Kultur.